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Ernährung

In dem folgenden Abschnitt werden die verschiedenen Ansatzpunkte der Ernährung betrachtet:



1. Gesunde Ernährung


Unsere tägliche Nahrungsaufnahme hat verschiedene Facetten:

  • sie soll den Bedarf unseres Körpers an Energieträgern, Mineralien, Vitaminen und lebensnotwendigen Substanzen decken

  • die soziale und psychologische Komponente der Ernährung muss beachtet werden

  • Nahrung soll schmecken und bewusst mit Genuss verzehrt werden

  • es sollte ein angemessener Rahmen des Essen, im Speziellen bei Kindern, gepflegt werden

  • mehrere kleine Mahlzeiten sind sinnvoller als wenige kalorienreiche Mahlzeiten – nach 22.00 Uhr möglichst wenig zu sich nehmen

  • zu zwanghafte Einhaltung von Diäten –sofern nicht medizinisch indiziert- kann sogar nachteiliger sein als das Einhalten persönlicher Vorzüge; sofern sie gewissen allgemeinen Regeln entsprechen



Der Energiegehalt der einzelnen Nährstoffe ist unterschiedlich:


Kohlenhydrate      4 kcal/g
Eiweiß 4 kcal/g
Fett 9 kcal/g
Alkohol 7 kcal/g


Empfehlungen:


  • der Anteil mit hohem Energiegehalt sollte reduziert werden – speziell gesättigte Fette und freie Zucker sind nur in Maßen ratsam

  • die Gesamtfettaufnahme sollte 35% der Energieaufnahme nicht überschreiten – ungesättigte Fettsäuren (in Oliven- und Weizenkeimöl) sind den gesättigten Fettsäuren (bspw. in Kuchen oder Pommes Frites) überlegen

  • 2-3 x pro Woche Fisch und pflanzliche Nahrungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren (Rapsöl, Sojaöl, grünblättriges Gemüse)

  • nicht mehr als 300mg Cholesterin zu sich nehmen (bei manifester Gefäßerkrankung diesen Anteil weiter reduziert halten)

  • der Kohlehydratanteil sollte ca. 45-60% der Gesamtenergie ausmachen. Hier sind ballaststoffreiche Produkte mit langsamer Aufnahme in die Blutbahn und einem niedrigen glykämischen Index (z.B. in Nüssen, Vollkornbrot, Äpfel, Karotten) sinnvoller als ballaststoffarme Produkte (z.B. Spaghetti, Reis, Cola)

  • Ballaststoffe sollten pro Tag mind. 40 Gramm betragen – fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, 4 x pro Woche Hülsenfrüchte. Dies gewährleistet auch eine ausreichende Vitaminversorgung.

  • der Verzehr von Proteinen sollte im Bereich von 10-20% der Energiemenge liegen – bei einer Nierenerkrankung sollte dieser Wert weiter reduziert werden.

  • Zitrus- und Hülsenfrüchte sind für eine ausreichende Folsäureversorgung notwendig

  • der Kochsalzgehalt sollte auf unter 6g/Tag begrenzt werden (bei verschiedenen Erkrankungen muss individuell der Kalium- und Magnesiumgehalt überwacht und ggf. durch Tabletten ausgeglichen werden.

  • Alkohol soll in Maßen zu sich genommen werden (10g/Tag bei Frauen, 20g/Tag bei Männern) – sofern keine Lebererkrankung oder sonstige Gegenanzeige besteht -. Den Antioxidantien im Rotwein wird sogar ein positiver Aspekt zugeschrieben. Zu Bedenken ist jedoch der den Blutdruck ansteigenden Effekt von Alkohol.


Generell kann gesagt werden, dass in Mitteleuropa zu viel Proteine (Wurst, Fleisch und Käse), zu viel gesättigtes Fett und zu wenig Ballaststoffe (Obst, Salat, Gemüse) konsumiert werden. Wenn die obigen Empfehlungen eingehalten werden, sind keine zusätzlichen Vitamin- oder Nährstoffaufnahmen in Form von Tabletten – mit Ausnahmen von Schwangerschaft oder Extrembelastungen sowie evtl. hohes Alter – erforderlich.
Diese Ratschläge lassen sich vielfach und sehr schmackhaft umsetzen – siehe z.B. die so genannte Mittelmeerdiät -. Aber auch die regional geprägte deutsche Küche bietet eine phantastische Vielfalt. Kleine Tabuüberschreitungen sind – sofern sie nicht zur Regel werden – erlaubt.
Diese allgemeinen Empfehlungen werden durch spezielle Erfordernisse bei Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz modifiziert. Liegt bereits eine Herz- oder Gefäßerkrankung vor, sind die obigen Ratschläge häufig mit der zusätzlichen Einnahme von Tabletten, insbesondere hinsichtlich der Blutfettwerte, zu kombinieren.

2. Gesund Abnehmen


Die Empfehlung abzunehmen wird häufig ausgesprochen.
Zunächst stellt sich aber die Frage:

Wer sollte abnehmen!


Personen mit einem deutlich über der Norm liegendem Gewicht und einer über das normale Maß hinausgehenden Vermehrung der Körperfettmasse (speziell bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Gefäßerkrankungen aber auch bei Herzinsuffizienz, sollte ein Gewicht nahe dem Ideal angestrebt werden)

Früher orientierte man sich an der sogenannten Broca-Formel:


Körpergröße in cm – 100 = Normalgewicht (bei Frauen minus 10%)

Heute findet der Body Mass Index mehr Akzeptanz:


BMI = Körpergewicht in KG
——————————————
Quadrat der Körperlänge in m


Beispiel: Gewicht 80 kg, Körpergröße 1,80 m
                BMI 80/1,8x1,8=24,7 kg/qm

  Übergewicht Grad I   BMI 25 – 29,9 kg/qm
Übergewicht Grad II   BMI 30 – 39,9 kg/qm
Übergewicht Grad III BMI › 40 kg/qm
Normgewicht   BMI 20 – 25 kg/qm
Untergewicht BMI ‹ 18,5 kg/qm


Ca. 40 % aller Erwachsenen in Deutschland zählen heute bereits zur Kategorie Übergewicht Grad I. Speziell Personen mit einem BMI > 30 kg/qm sollten abnehmen. Zu prüfen ist, ob eine Grunderkrankung zu Grunde liegt. Dies kann eine Unterfunktion der Schilddrüse, der Einfluss von Medikamenten wie z.B. von Neuroleptika oder Steroide sein.

In der Regel ist das Übergewicht jedoch durch folgende Faktoren bedingt:


  • familiäre Disposition

  • Fehlernährung

  • Essstörung

  • Bewegungsmangel


Das Abnehmen soll in der Regel eine Steigerung des Energieverbrauchs durch Bewegung und eine Reduktion des Energieangebotes beinhalten:


  • die Energieaufnahme sollte ca. 500 kcal/Tag unter der bisherigen liegen (ca. 1200 – 2000 kcal/Tag je nach Alter, Geschlecht, Ausgangsgewicht und Tätigkeit)

  • der Fettanteil ist zu reduzieren

  • eine Gewichtsreduktion ist langfristig zu planen: ca. 1-2 kg pro Monat oder 5-10% in 6 Monaten (im übrigen siehe unsere Empfehlungen im Abschnitt „Ernährung“)

  • Crashdiäten, Außenseiterdiäten sowie nicht überprüfbare Mixturen sind abzulehnen

  • 5 x pro Woche mindestens 30 Minuten Bewegung ist anzuraten (sofern keine schwere Grunderkrankung besteht)

  • begleitende Gespräche und stützende Maßnahmen (Selbsthilfeprojekte etc.) sind mitunter hilfreich. Eine willentliche Verhaltenssteuerung (Volition) soll hierbei gestärkt werden.

  • Medikamente, die das Hunger- oder Sättigungsgefühl hemmen, sollen nur bei schweren Verläufen, unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Bei allen Medikamenten können Nebenwirkungen auftreten.

  • chirurgische Maßnahmen, wie bspw. die Anlage eines Minimagens sind ebenfalls nur bei schweren Verläufen vorzunehmen (BMI > 40 kg/qm, trotz Diätversuch). Diese Eingriffe bleiben spezialisierten Ärzten oder Zentren vorbehalten (z.B. Klinik Rotes Kreuz, assoziiertes Adipositas-Zentrum)



3. Ernährungssprechstunde


Zwischen der Theorie und der Praxis liegt bekanntermaßen ein großer Unterschied. So garantiert das Wissen über gesunde Ernährung noch lange nicht, dass es im Alltag auch umgesetzt wird. Eine Tatsache, die insbesondere auch allen Rauchern bekannt ist. So weiß heute jeder, dass Rauchen extrem gesundheitsschädlich ist, raucht aber trotzdem weiter.

Psychologen nennen dies „kognitive Dissonanz“.

Der Volksmund drückt es so aus:

„ Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“


Umgewandelt auf das Thema „gesunde Ernährung“, könnte man auch sagen:

„....aber das Fleisch schmeckt einfach zu gut!“


Dies verdeutlicht sehr gut, dass das Problem der gesunden Ernährung nicht nur eines des Wissens oder der Information ist, sondern wesentlich vielschichtiger. Insofern ist professionelle Hilfe und Unterstützung ein ganz wesentlicher Punkt, um im Alltag und langfristig eine individuell passende Lösung zu finden. Einfach weil jeder anders is(s)t! Seit April 2011 bieten wir regelmäßig auch eine Ernährungssprechstunde mit der

Diplom-Oecotrophologin Frau Yvonne Leonhardt


in unserer Praxis Innenstadt am Roßmarkt an. Das Erstgespräch (Orientierungsgespräch) ist dabei kostenlos. Die Anmeldung erfolgt über unser Team der Praxis Innenstadt oder über www.eatconcept.de



Foto Pyramide
Foto Leonhardt