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Die 3 Säulen der Prävention

Die meisten Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit (bspw. Herzinfarkt) sind Folge unseres ungesunden Lebensstils. Natürlich gibt es auch andere z.B. angeborene Erkrankungen oder sog. familiäre Dispositionen, bei denen der Betreffende trotz eines vernünftigen Lebensstils die oben erwähnten Erkrankungen bekommt.

Dies ist aber nicht die Regel. Tatsächlich wäre ein Großteil der Herz- Kreislauferkrankungen durch einen angemessenen Lebensstil von vorneherein vermeidbar (sog. Primärprävention) oder zumindest der weitere Verlauf günstig zu beeinflussen (sog. Sekundärprävention), wenn einige wichtige Grundregeln beachtet würden.

In dem folgenden Abschnitt werden die verschiedenen Ansatzpunkte der Ernährung betrachtet:

Ernährung

1. Gesunde Ernährung

Unsere tägliche Nahrungsaufnahme hat verschiedene Facetten:

  • sie soll den Bedarf unseres Körpers an Energieträgern, Mineralien, Vitaminen und lebensnotwendigen Substanzen decken
  • die soziale und psychologische Komponente der Ernährung muss beachtet werden
  • Nahrung soll schmecken und bewusst mit Genuss verzehrt werden
  • es sollte ein angemessener Rahmen des Essen, im Speziellen bei Kindern, gepflegt werden
  • mehrere kleine Mahlzeiten sind sinnvoller als wenige kalorienreiche Mahlzeiten – nach 22.00 Uhr möglichst wenig zu sich nehmen
  • zu zwanghafte Einhaltung von Diäten –sofern nicht medizinisch indiziert- kann sogar nachteiliger sein als das Einhalten persönlicher Vorzüge; sofern sie gewissen allgemeinen Regeln entsprechen

Der Energiegehalt der einzelnen Nährstoffe ist unterschiedlich:

  • Kohlenhydrate 4 kcal/g
  • Eiweiß 4 kcal/g
  • Fett 9 kcal/g
  • Alkohol 7 kcal/g
Prävention

Empfehlungen:

  • der Anteil mit hohem Energiegehalt sollte reduziert werden – speziell gesättigte Fette und freie Zucker sind nur in Maßen ratsam
  • die Gesamtfettaufnahme sollte 35% der Energieaufnahme nicht überschreiten – ungesättigte Fettsäuren (in Oliven- und Weizenkeimöl) sind den gesättigten Fettsäuren (bspw. in Kuchen oder Pommes Frites) überlegen
  • 2-3 x pro Woche Fisch und pflanzliche Nahrungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren (Rapsöl, Sojaöl, grünblättriges Gemüse)
  • nicht mehr als 300mg Cholesterin zu sich nehmen (bei manifester Gefäßerkrankung diesen Anteil weiter reduziert halten)
  • der Kohlehydratanteil sollte ca. 45-60% der Gesamtenergie ausmachen. Hier sind ballaststoffreiche Produkte mit langsamer Aufnahme in die Blutbahn und einem niedrigen glykämischen Index (z.B. in Nüssen, Vollkornbrot, Äpfel, Karotten) sinnvoller als ballaststoffarme Produkte (z.B. Spaghetti, Reis, Cola)
  • Ballaststoffe sollten pro Tag mind. 40 Gramm betragen – fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, 4 x pro Woche Hülsenfrüchte. Dies gewährleistet auch eine ausreichende Vitaminversorgung.
  • der Verzehr von Proteinen sollte im Bereich von 10-20% der Energiemenge liegen – bei einer Nierenerkrankung sollte dieser Wert weiter reduziert werden.
  • Zitrus- und Hülsenfrüchte sind für eine ausreichende Folsäureversorgung notwendig
  • der Kochsalzgehalt sollte auf unter 6g/Tag begrenzt werden (bei verschiedenen Erkrankungen muss individuell der Kalium- und Magnesiumgehalt überwacht und ggf. durch Tabletten ausgeglichen werden.
  • Alkohol soll in Maßen zu sich genommen werden (10g/Tag bei Frauen, 20g/Tag bei Männern) – sofern keine Lebererkrankung oder sonstige Gegenanzeige besteht -. Den Antioxidantien im Rotwein wird sogar ein positiver Aspekt zugeschrieben. Zu Bedenken ist jedoch der den Blutdruck ansteigenden Effekt von Alkohol.

Generell kann gesagt werden, dass in Mitteleuropa zu viel Proteine (Wurst, Fleisch und Käse), zu viel gesättigtes Fett und zu wenig Ballaststoffe (Obst, Salat, Gemüse) konsumiert werden. Wenn die obigen Empfehlungen eingehalten werden, sind keine zusätzlichen Vitamin- oder Nährstoffaufnahmen in Form von Tabletten – mit Ausnahmen von Schwangerschaft oder Extrembelastungen sowie evtl. hohes Alter – erforderlich.

Diese Ratschläge lassen sich vielfach und sehr schmackhaft umsetzen – siehe z.B. die so genannte Mittelmeerdiät -. Aber auch die regional geprägte deutsche Küche bietet eine phantastische Vielfalt. Kleine Tabuüberschreitungen sind – sofern sie nicht zur Regel werden – erlaubt.

Diese allgemeinen Empfehlungen werden durch spezielle Erfordernisse bei Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz modifiziert. Liegt bereits eine Herz- oder Gefäßerkrankung vor, sind die obigen Ratschläge häufig mit der zusätzlichen Einnahme von Tabletten, insbesondere hinsichtlich der Blutfettwerte, zu kombinieren.

Prävention

2. Gesund Abnehmen

Die Empfehlung abzunehmen wird häufig ausgesprochen.
Zunächst stellt sich aber die Frage:

 

Wer sollte abnehmen?

Personen mit einem deutlich über der Norm liegendem Gewicht und einer über das normale Maß hinausgehenden Vermehrung der Körperfettmasse (speziell bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Gefäßerkrankungen aber auch bei Herzinsuffizienz, sollte ein Gewicht nahe dem Ideal angestrebt werden)

 

Früher orientierte man sich an der sogenannten Broca-Formel:

Körpergröße in cm – 100 = Normalgewicht (bei Frauen minus 10%)

 

Heute findet der Body Mass Index mehr Akzeptanz:

BMI = Körpergewicht in KG
——————————————
Quadrat der Körperlänge in m

 

Beispiel: Gewicht 80 kg, Körpergröße 1,80 m
BMI 80/(1,8×1,8)=24,7 kg/qm

 

Übergewicht Grad I: BMI 25 – 29,9 kg/qm
Übergewicht Grad II: BMI 30 – 39,9 kg/qm
Übergewicht Grad III: BMI › 40 kg/qm
Normgewicht: BMI 20 – 25 kg/qm
Untergewicht: BMI ‹ 18,5 kg/qm

 

Ca. 40 % aller Erwachsenen in Deutschland zählen heute bereits zur Kategorie Übergewicht Grad I. Speziell Personen mit einem BMI > 30 kg/qm sollten abnehmen. Zu prüfen ist, ob eine Grunderkrankung zu Grunde liegt. Dies kann eine Unterfunktion der Schilddrüse, der Einfluss von Medikamenten wie z.B. von Neuroleptika oder Steroide sein.

 

In der Regel ist das Übergewicht jedoch durch folgende Faktoren bedingt:

  • familiäre Disposition
  • Fehlernährung
  • Essstörung
  • Bewegungsmangel

 

Das Abnehmen soll in der Regel eine Steigerung des Energieverbrauchs durch Bewegung und eine Reduktion des Energieangebotes beinhalten:

  • die Energieaufnahme sollte ca. 500 kcal/Tag unter der bisherigen liegen (ca. 1200 – 2000 kcal/Tag je nach Alter, Geschlecht, Ausgangsgewicht und Tätigkeit)
  • der Fettanteil ist zu reduzieren
  • eine Gewichtsreduktion ist langfristig zu planen: ca. 1-2 kg pro Monat oder 5-10% in 6 Monaten (im übrigen siehe unsere Empfehlungen im Abschnitt „Ernährung“)
  • Crashdiäten, Außenseiterdiäten sowie nicht überprüfbare Mixturen sind abzulehnen
  • 5 x pro Woche mindestens 30 Minuten Bewegung ist anzuraten (sofern keine schwere Grunderkrankung besteht)
  • begleitende Gespräche und stützende Maßnahmen (Selbsthilfeprojekte etc.) sind mitunter hilfreich. Eine willentliche Verhaltenssteuerung (Volition) soll hierbei gestärkt werden.
  • Medikamente, die das Hunger- oder Sättigungsgefühl hemmen, sollen nur bei schweren Verläufen, unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Bei allen Medikamenten können Nebenwirkungen auftreten.
  • chirurgische Maßnahmen, wie bspw. die Anlage eines Minimagens sind ebenfalls nur bei schweren Verläufen vorzunehmen (BMI > 40 kg/qm, trotz Diätversuch). Diese Eingriffe bleiben spezialisierten Ärzten oder Zentren vorbehalten (z.B. Klinik Rotes Kreuz, assoziiertes Adipositas-Zentrum)

Bewegung

Mangelnde Bewegung als Teil unseres Lebensstils hat sich erst in den letzten Jahrzehnten mit der zunehmenden Technisierung und dem wachsenden Wohlstand entwickelt. Ein Phänomen das früheren Generationen, eingeschlossen der unserer Eltern und Großeltern, weitgehend unbekannt war.

Heute ist Bewegungsmangel schon bei Kindern ein Problem. Sitzen sie doch lieber vor dem Fernseher oder ihrem PC, als körperlich aktiv zu sein. Die Überwindung auch kürzester Strecken mit dem PKW bei Erwachsenen, kommt als weitere allfällige Bewegungsvermeidungs-Strategie hinzu.

In unserem Abschnitt „gesundes Abnehmen“ haben wir bereits Hinweise für ausreichende Bewegung gegeben. Ganz wichtig, einfach umsetzbar und darüber hinaus auch sehr preiswert, ist die Empfehlung zur Alltagsaktivität, wie z.B. Treppen steigen anstelle Betätigen des Aufzugs oder der Rolltreppe.

Wem das nicht genügt oder wer mehr Struktur, Anleitung und Unterstützung braucht, der ist in einem Sport-Studio gut aufgehoben. Dieses sollte aber über eine entsprechende Qualifikation verfügen und nicht nur eine sogenannte „Mucki-Bude“ sein.

Prävention

Raucherentwöhnung

Das Rauchen stellt einen wesentlichen Risikofaktor der Arteriosklerose dar. Es ist somit ein Wegbereiter so schwerwiegender Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und dem so genannten Raucherbein. Aber nicht nur bei der Gefäßalterung spielt das Rauchen eine entscheidende Rolle. Die direkten gesundheitsschädigenden Effekte von Nikotin und den weiteren Toxinen des Rauchens erhöhen auch das Erkrankungsrisiko vieler Tumore (z.B. Lungenkrebs).

Somit sind auf allen Ebenen Antiraucherkampagnen sinnvoll.

Um speziell bei Jugendlichen den Einstieg zu verhindern, beteiligt sich das Kardiocentrum an Veranstaltungen in Schulen und anderen sozialen Einrichtungen. Diese, auch von der Stadt Frankfurt geförderten Programme, sollen die Jugendlichen nicht nur über die Risiken informieren, sondern sie auch befähigen, aus einer Position der eigenen Stärke heraus auf das Rauchen bewusst zu verzichten.

  • Für bereits aktive Raucher/-innen ist der Weg aus der Nikotinabhängigkeit vielfach schwierig. Die Nikotinabhängigkeit hat eine körperliche, psychologische und häufig auch eine soziale Komponente. Dies zu durchbrechen, erfordert die Kombination verschiedener Therapieansätze (multimodal):
  • strukturierte Raucherentwöhnungsprogramme
  • Einsatz von Nikotinpflaster, die langsam reduziert werden (Vorsicht bei bereits eingetretener Herzerkrankung)
  • Verabreichung von Medikamenten, z.B. Zyban ® oder Champix ® (Aufgrund möglicher Nebenwirkungen, sollten diese nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden)
  • Akupunktur oder Hypnose
  • begleitende Gesprächsangebote
Prävention Raucherentwoehnung